Birdland Jazz Club
Am Karlsplatz A52
D-86633 Neuburg
E-Mail: mail@birdland.de
Telefon: (0 84 31) 4 12 33
Wichtig: Platzreservierungen sind nur über die Website möglich!
Programm – November 2019
02. Nov Sa | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Mainstream
Harry Allen & Martin Sasse Trio
Harry Allen (ts), Martin Sasse (p), Henning Gailing (b), Joost van Schaik (dr)
concert af La Fontaine
Erinnern Sie sich noch an den Mai 2000, als während der Konzertserie der „Rising Stars“ zahlreiche spätere Weltklassemusiker wie Diana Krall oder Esbjörn Svensson unter anderem auch im Neuburger „Birdland“ ihre ersten Gehversuche auf der großen Bühne absolvierten? Einer der jungen, neuen Wilden hieß damals Harry Allen, seines Zeichens Tenorsaxofonist mit einem bewusst „alten“ Ton, der an Ben Webster, den Balladenschmelz eines Lester Young, den Drive von Coleman Hawkins oder die spektakulären Licks eines Zoot Sims erinnerte. Damals war der Mann aus Washington D. C. gerade mal 33 Jahre jung und alles andere, als ein geklontes Relikt aus der Vergangenheit. Dass Allen jetzt, fast 20 Jahre später, mit dem famosen Trio des Kölner Pianisten Martin Sasse, des Bassisten Henning Gailing und des Drummers Jost van Schaik wieder nach Neuburg kommt, dürfte nicht nur wegen des Wiedersehens von Bedeutung sein. Mit seinem inzwischen noch einen Tick feineren Gespür für Ästhetik und echten Swing transportiert der hochdekorierte und vielgelobte Bläser die Preziosen seiner großen Vorbilder mitten hinein ins 21. Jahrhundert, ohne dabei in den Verdacht zu geraten, auf dem Nostalgietrip zu reiten. Dieser Tenorist hat eine simple, aber faszinierende Devise: Alles swingt. Wenn man nur will.

Aktuelles Album:
The Candy Men: Harry Allenʼs All Star New York Saxophone Band – Arbors ARCD 18450

03. Nov So | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Mainstream
Charles Tolliver´s „Paper Man“
Charles Tolliver (tp), Jesse Davis (as), Keith Brown (p), Buster Williams (b), Lenny White (dr)
Wer Jazzgeschichte hautnah erleben will, der findet im „Birdland“ immer wieder Gelegenheit dazu. Diesmal nach drei Jahren Pause mit Charles Tolliver und seinem grandiosen Quintett „Paper Man“. Kenner wissen längst, dass der amerikanische Trompeter in den Analen dieser Musikgattung ein beachtliches Kapitel belegt. Wie so häufig zählt der 1942 in Florida geborene Ausnahmekönner jedoch leider zu jener Spezies von Persönlichkeiten, der die gebührende Anerkennung bis heute versagt blieb. Vielleicht liegt dies an Tollivers kompromissloser Herangehensweise, bei der er sich nie irgendwelchen Erwartungshaltungen beugte, sondern stets seinen eigenen Weg ging, auch an der Seite von Größen wie Jackie McLean, Art Blakey, Sonny Rollins, Horace Silver, McCoy Tyner oder Joe Henderson. Sein Hardbop-Spiel zeichnet sich durch markante Freejazz-Tupfer aus. Weil sich Tolliver aber mit beiden Beinen in der Tradition verwurzelt sieht, blieben seine „freieren“ Einspielungen stets blueslastig und rhythmusbetont. Die eigentliche Bedeutung des Trompeters spiegelt auch dessen Formation „Paper Moon“ wider, hinter der sich Altsaxofon-Titan Jesse Davis, der feine Pianist Keith Brown, die Bass-Legende Buster Williams und Superdrummer Lenny White Neuburg verbergen. Ein in jeder Hinsicht herausragender Abend!

Aktuelles Album:
Emporer March: Live At The Blue Note – Half Note

Jazz im Audi Forum Ingolstadt
07. Nov Do | 20:00 Uhr | EUR 25,- / 15,- |
Allotria Jazz Band
Rainer Sander (cl, as lead), Martin Auer (tp), Andrey Lobanov (tp), Mathias Götz (tb), Jan Eschke (p), Peter Cischeck (b), Gregor Beck (dr)
Das Griechische „allotrios“ bedeutet so viel wie „sonderbar, fremdartig“. Der Bayer würde dies schlicht und einfach mit „Schmarrn“ übersetzen. Und der des Englischen kundige Fan des gepflegten Swing bringt es mit „All that jazz!“ auf den Punkt. Dies und noch ein wenig mehr garantiert ein Auftritt der Allotria Jazzband aus München um Bandleader Rainer Sander. Nach dem umjubelten Gastspiel 2015 ist die Gruppe abermals im Audi Forum Ingolstadt zu Gast. Man muss allerdings gar nicht in die Untiefen einzelner Fremdsprachen einsteigen. Im Prinzip leitet sich der Gruppenname vor allem vom berühmten Münchner Jazzlokal „Allotria“ ab, das die weißblaue Landeshauptstadt von den 1960-er bis in die 1990-er Jahre regelmäßig mit Live-Jazz versorgte und in dem die swingenden Gentlemen lange Zeit als Hausband fungierten. Aus ihrer dienenden Rolle für große Stars entwickelten sie sich rasch zur eigenständigen Popularität. Mit ihrer ebenso temperamentvollen wie virtuos kredenzten Rezeptur aus Dixieland und Swing mauserte sich die kleine Big Band aus der Maxvorstadt nach Tourneen in die USA und Kanada zu Deutschlands Exportschlager in Sachen „Classic Jazz“. Ein Ruf, der verpflichtet: Auch 2019 swingen die Allotrias frisch und ohne Reibungsverluste weiter. Mit neuem Programm, prominenter Besetzung, im Norden wie im Süden der Republik, und inzwischen schon fast ein halbes Jahrhundert lang.
08. Nov Fr | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Mainstream, Modern
Anna Lauvergnac Group
Anna Lauvergnac (voc), Claus Raible (p), Giorgos Antoniou (b), Steve Brown (dr)
Ihre Stimme tanzt. Manchmal grazil wie eine Schlange, manchmal etwas linkisch und gerade deshalb nie dem verlockenden Ruf einer plakativen Zurschaustellung ihrer Weiblichkeit folgend. Vielmehr lässt sich Anna Lauvergnac wie eine Feder in die Musik hineintreiben, selbstvergessen, versunken, schwere- und willenlos. Selten zuvor öffnete sich eine Künstlerin konsequenter der emotionalen Kraft der Klänge, als die italienische Vokalistin. An ihr ließen sich auch ohne Ton problemlos sämtliche Schwankungen des gerade Dargebotenen ausmachen. Die Frau reagiert sensibel wie eine Stimmgabel; biegsam, vibrierend. „Anna singt aus ihrem Herzen“, beschrieb die große Kollegin Sheila Jordan einst das besondere Talent der langjährigen Sängerin des Vienna Art Orchestra. Daher besitzt sie auch die Fähigkeit, die Herzen der Menschen zu berühren. Das belegt ihr aktuelles Programm „Freefall“ im Duo mit dem unvergleichlichen Pianisten Claus Raible mit gänsehautverdächtigen Interpretationen eher selten gesungener Standards, das sie bei ihrer Rückkehr nach Neuburg nach sechs Jahren mit einem erlesenen Rhythmustrio um Raible, den Bassisten Giorgos Antoniou und Drummer Steve Brown präsentiert. Dabei zeigt Anna, was Musik auch sein kann: Nicht nur eine Show, bei der Fertigkeiten vorgeführt werden, sondern ein Akt der Liebe.

Aktuelles Album:
Free Fall – Alessa 1060

09. Nov Sa | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Modern
Duo Christian Muthspiel – Steve Swallow
Christian Muthspiel (tb, p, toy p, fl), Steve Swallow (b-g)
Christian Muthspiel ist ein Mann der Mitte, ein Wanderer und Vermittler. Er und sein jüngerer Bruder, der Gitarrist Wolfgang Muthspiel, wuchsen gleichermaßen mit alpenländischer Volksmusik wie mit der Chormusik der Renaissance auf. Erst lernte Christian Klavier, dann Posaune – klassisch und im Jazzfach – an der Musikhochschule Graz. Heute, mit 56, ist er froh, das Studium „rechtzeitig und freiwillig“ abgebrochen zu haben. Dennoch lässt ihn der Gedanke an eine barrierefreie Musik nicht mehr los. Um ohne demagogischen Ballast ein unverwechselbares Stück Musik zu erschaffen, braucht es schon einen Partner, der über einen ähnlich offenen 360-Grad-Blickwinkel verfügt. Steve Swallow, der grandiose Altmeister an der elektrischen Bassgitarre, scheint für ein Projekt wie die „Simple Songs“ wie geschaffen. Das kongeniale Duo bringt Muthspiels Kompositionen zum Schwirren, Fliegen und Schweben. Da werden Hörräume zu sommerlichen Flusslandschaften, in denen sich die Äste des Wilden Holunders, Steine, Gräser in Hals und Korpus einer Bassgitarre oder den Stimmzug und Schallbecher einer Posaune verwandeln. Bei Muthspiel und Swallow klingen selbst schwierigste Klangfolgen nie wie ein Herkulesakt, sondern wie ein selbstverständlicher, virtuoser Reflex. Ein Naturereignis, das Steine zum Klingen bringt.

Aktuelles Album:
Simple Songs – In+Out IOR CD 77120-2/Edel

15. Nov Fr | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Mainstream
Marta Sanchez Quintet
Marta Sanchez (p), Jure Pukl (ts), Roman Filiu (as), Zack Loeber (b), Iago Fernandez (dr)
Im Rahmen des 9. Birdland Radio Jazz Festivals
Schmelztiegel: Ein Begriff, der angesichts der aktuellen Abschottungspolitik Amerikas wie ein Anachronismus anmutet. Und doch gibt es sie noch, die Plätze, an denen das Ineinanderfließen der Kulturen bestens funktioniert und so manch wunderbares Resultat hervorbringt. Exemplarisch steht dafür New York mit seiner unvermindert starken, integrativen Kraft des Jazz, die auch 2019 immer noch Experimente ermöglicht, die weit über den eng begrenzten „America- First“-Horizont hinausgehen. Ohne die Stadt, die niemals schläft, hätte die in Madrid geborene Pianistin Marta Sanchez wohl kaum die Chance besessen, dort ein derart multinationales Quintett wie jenes mit dem slowenischen Tenorsaxofonisten Jure Pukl, dem kubanischen Altsaxofonisten Roman Filiú, dem kanadischen Bassisten Zack Loeber und ihrem spanischen Landsmann Iago Fernandez am Schlagzeug auf die Beine zu stellen. Der perfekte Rahmen für eine in Deutschland noch weitgehend unbekannte Musikerin, die sich an den 88 schwarzweißen Tasten durch technische Meisterschaft, feinen Anschlag und jede Menge Feuer auszeichnet. Dabei entsteht ein anregender Mix aus spanischer Folklore, Cooljazz und modernen Grooves. Kurzum: schillernde und pulsierende Musik aus einem zeitlos beständigen Melting Pot.

Aktuelles Album:
Danza Imposible – Fresh Sound/H`Art

16. Nov Sa | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Modern
Michel Portal – Roberto Negro
Michel Portal ( cl, b-cl, sax, bandoneon), Roberto Negro (p)
Im Rahmen des 9. Birdland Radio Jazz Festivals
Nervöse Rhythmen, hitzige Dialoge, ein rasch skizziertes Thema, gefolgt von gellenden Schreien aus der Bassklarinette. Wie elektrisch aufgeladen ist die Luft, in der sich zwei Musiker wie athletische Tänzer bewegen. Michel Portal singt die Phrasen kurz vor, feuert seinen Partner am Piano an. Höher und höher schrauben sie das Intensitätslevel, geraten an den Rand der Trance. Niemand würde glauben, dass Portal nur wenige Tage nach seinem Konzert in Neuburg 84 Jahre alt wird, so passioniert und engagiert stürzt er sich in dieses Abenteuer. Der französische Allesbläser hasst Studios. Seine musikalischen Obsessionen lebt er auf der Bühne aus: von Mozart bis Piazzolla, von Kagel hinein in den Free Jazz, zu Karlheinz Stockhausen und auf den Spuren (s)eines „imaginären Afrikas“, so der Titel eines seiner zahllosen Leuchtturmprojekte. Eine Trennlinie zwischen den Genres existierte für ihn noch nie, ebenso wie die heute allgegenwärtigen Klischees „Grenzgänger, „Wanderer zwischen den Welten“, „Crossover“ und so weiter. Portal hasst Etiketten, er ist ein rastloser Suchender, der sich vor allem über den Austausch mit jungen Musikern jung hält. Aktuell tut er dies mit dem großartigen italienisch-stämmigen Pianisten Roberto Negro. Mehr als nur ein Duo. Ein Fest der Sinne und der künstlerischen Freiheit.

Aktuelles Album:
Eternal Stories – Erato 0190295839567/Warnerclassics

Stadttheater Neuburg
21. Nov Do | 20:00 Uhr | EUR 30,- / 20,- | Modern
Ralph Towner Solo
Larry Goldings Trio
Ralph Towner (g)
Larry Goldings Trio: Larry Goldings (hammond B3), Peter Bernstein (g), Bill Stewart (dr)
Im Rahmen des 9. Birdland Radio Jazz Festivals
Längst gilt der Donnerstag als der eigentliche Höhepunkt des Birdland Radio Jazz Festivals, das 2019 zum neunten Mal in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk über die Bühne geht. Just dieses spezielle Konzert im Stadttheater Neuburg bietet nahezu regelmäßig absolute Weltklasse, diesmal sogar im Zweierpack. Den Anfang macht der legendäre Gitarrist Ralph Towner, der nach seiner krankheitsbedingten Absage vom Januar nun doch noch in der heimlichen Jazzhauptstadt Deutschlands seine Visitenkarte abgibt. Dank seiner legendären Formation Oregon gilt Towner als der eigentliche Erfinder der Weltmusik. Kollaborationen mit Keith Jarrett, Jan Garbarek, John McLaughlin, Kenny Wheeler und Markus Stockhausen nehmen jeweils eigene Kapitel in der Jazzgeschichte ein. Auch 2019 agieren die Finger des 79-Jährigen noch so geläufig wie eh und je. Seine unverwechselbare Spielweise sowohl auf der Konzert- wie auf der zwölfsaitigen Gitarre umgarnt an diesem denkwürdigen Abend das Ohr und die Sinne. Der Auftakt zu einer Sternstunde, die nach der Pause durch das Trio des fantastischen Hammond-Organisten Larry Goldings perfekt zu werden verspricht. Mit kongenialen Partnern wie dem brillanten Gitarristen Peter Bernstein und dem Wunder-Drummer Bill Stewart steht eine Reise in den großen Kosmos von Groove und Klang bevor. Einfach hingehen und genießen.

Aktuelles Album:
Towner: My Foolish Heart – ECM 2516/Universal
Goldings: Toy Tunes – Pirouet PIT 3100/Edel

22. Nov Fr | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Modern
Rolf Kühn „Yellow + Blue“
Rolf Kühn (cl), Frank Chastenier (p), Lisa Wulff (b), Tupac Mantilla (perc)
Im Rahmen des 9. Birdland Radio Jazz Festivals
Über Rolf Kühn lohnt es sich immer wieder zu staunen. Zum einen feierte der legendäre Klarinettist, dessen Ton bereits im Orchester von Benny Goodman herausstach, Ende September sage und schreibe seinen 90. Geburtstag, zum anderen spielt er von Jahr zu Jahr besser. Bei einem wie ihm kommt die Energie durch Neugierde. Das ständige Erkunden von musikalischem Neuland mit ständig wechselnden Herausforderungen wie dem Quartett mit dem einzigartigen Pianisten Frank Chastenier, der wunderbaren Bassistin Lisa Wulff und dem famosen Perkussionisten Tupac Mantilla treiben den großen Bruder des Pianisten Joachim Kühn immer wieder zu grandiosen Höhenflügen. Auch in diesem Sujet jongliert Rolf Kühn mit Gegensätzen, mit Ruhe und Aufbruch, mit Erfahrung und Experimentierlust, mit Body and Soul. Es sind Lovesongs wie Joni Mitchells „Both Sides Now“ sowie eigene Kompositionen, aber alles andere als sentimentale Rückschauen. Vor allem im Wechselspiel mit jungen Musikern entdeckt er abermals eine Reihe von ungehörten Tönen. Das Weiche, Zarte, die warme bluesige Klangfarbe Blau steht direkt neben dem Grellen, dem intensiv Leuchtenden. Und aus diesem Kontrast entstehen wiederum neue Farben. Spätestens nach diesem Konzert weiß es jeder: Rolf Kühn ist der mit Abstand coolste Jazzer Deutschlands.

Aktuelles Album:
Yellow + Blue – MPS 0213745MS1/Edel

23. Nov Sa | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Modern
The Real Mob
Rudolf Stenzinger (b), Bastian Rossmann (dr), Damian Dalla Torre (sax), Vassily Zaraysky (p)
“radioJazznacht extra”
Im Rahmen des 9. Birdland Radio Jazz Festivals
Vier dunkle Anzüge und Musik, wie sie in den Fifties und Sixties in New Yorker Jazzclubs zu hören war: Das sind „The Real Mob“. Das grandiose Quartett bringt das Feuer und die Intensität in seinen Shows zurück auf die Bühne des Neuburger „Birdland“ und transportiert das Lebensgefühl aus der Hochzeit des Jazz mitten hinein in die Gegenwart. Die gemeinsame Liebe zu diesem Sound brachte die vier Musiker 2016 zusammen. Seither sind der Bassist Rudolf Stenzinger, der Schlagzeuger Bastian Rossmann, der Saxofonist Damian Dalla Torre und der Pianist Vassily Zaraysky auf Tour und verbreiten die Botschaft des „Real Jazz“, den souligen und swingenden Sound des wohl wichtigsten Plattenlabels in der langen Geschichte dieser Musikrichtung: Blue Note Records. Der Mob steht für erdige, kochende und funky Musik, die mittlerweile ebenso zeitlos und gewissermaßen klassisch geworden ist. Analog zum Schmelztiegel USA versteht sich „The Real Mob“ als internationale Kreativwerkstatt. Dabei vereinen die Vier verschiedene kulturelle Hintergründe zu einer aufregenden und beeindruckenden Mischung. Die Hörer der großen Live-Abschlusssendung des 9. Birdland Radio Jazz Festivals dürften an den Empfängern ebenso fasziniert und begeistert sein, wie das Publikum im Hofapothekenkeller. Ein jazztechnisches Naturereignis!

Aktuelles Album:
Mobleysation – Eigenverlag

29. Nov Fr | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Hardbop
Valery Ponomarev Quintet „Forever Art“
Valery Ponomarev (tp), Fabio Devigili (ts), Lluis Capdevila (p), Ignasi Gonsalez (b), Joris Dudli (dr)
Die Geschichte des Valery Ponomarev besitzt die Qualität eines Jazz-Märchens. Zu Zeiten, als der Eiserne Vorhang noch unüberwindbar schien, begann der junge Mann aus Moskau Musik zu studieren. Mit 19 Jahren entdeckte er auf dem Schwarzmarkt eine Platte des Trompeters Clifford Brown, die sein Leben verändern sollte. „Ich wusste damals gleich, dass genau das die Musik war, die ich spielen wollte“, schildert Ponomarev. So spielte er von 1964 bis 1969 mit durchreisenden US-Solisten wie Gerry Mulligan, Charles Lloyd und Keith Jarrett. Seine Liebe zum amerikanischen Hardbop kam aber in der sowjetischen Jazzszene nicht gut an, weshalb er 1973 seine Koffer packte und nach New York übersiedelte, wo er bis heute lebt. Die eigentliche Popularität des Trompeters rührt daher, dass von er von 1974 bis 1980 als erster Europäer bei den Jazz Messengers des legendären Drummers Art Blakey mitwirken durfte. Heute ist Valery Ponomarev 76, hat längst die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und zollt mit seiner multinationalen Band um den österreichischen Saxofonisten Fabio Devigili, den beiden Spaniern Lluis Capdavila (Piano) und Ignasi Gonsalez (Bass) sowie dem Schweizer Drummer Joris Dudli nicht nur seinem Mentor Art Blakey Tribut, sondern auch dem größten Trompetenkollegen Art Farmer. Eine akustische Delikatesse!

Aktuelles Album:
Our Father Who Art Blakey – Zoha

30. Nov Sa | 20:30 Uhr | EUR 20,- / 15,- | Swing
Dime Notes
Dave Kelbie (g), David Horniblow (cl), Andrew Oliver (p), Louis Thomas (b)
Unwiderstehlich und elegant! Diese Termini drängen sich schon nach wenigen Sekunden auf, wenn man die Dime Notes bei ihrer Arbeit auf der Bühne beobachtet. Vier englische Gentlemen, die den treibenden Jazz der 1920er Jahre, angeführt von einer Klarinette, die scheinbar den Blues aufgesogen hat, in nahezu originalgetreuer Perfektion ein Jahrhundert erneut zum Leben erwecken. Bei einem Konzert der Vier erhält das „Nervous Leg Syndrom“ eine völlig neue Bedeutung, getreu dem Motto „Small band, huge swing!“ Im alten New Orleans war die Dime Note ein Zehn-Dollar Schein. Man könnte den Bandnamen jedoch auch mit „Zehntelnoten“ übersetzen. Jedenfalls fetzt das muntere Quartett höchst leidenschaftlich durch vergessen geglaubte Song-Juwelen aus vergangenen Tagen. Die swingende Zeitreise führt direkt nach New Orleans in die Ära von Säulenheiligen wie Jelly Roll Morten, Johnny Doods oder Red Nicols. Im Zentrum der Dime Notes steht David Horniblow, langjähriger Klarinettist von Chris Barber und Urgestein in Londons Jazz-Szene. Doch ohne Gitarrist Dave Kelbie, Pianist Andrew Oliver und Bassist Louis Thomas könnte die Combo wohl kaum diesen ansteckenden Groove, der sich um allerlei sinnliche Melodien schlängelt, kreieren. Ein Festabend für alle Fans des Swing, Stomp und Early Jazz.

Aktuelles Album:
The Complete Morton Project – Lejazztal Records LJCD 21

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