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Vorstellung: Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch e. V.

Vorstellung: Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch e. V.

Die Dunkelziffer macht betroffen, nachdenklich, traurig, Ă€ngstlich und wĂŒtend zugleich: 112.857 geschĂ€tzte FĂ€lle von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung gab es 2016 in Deutschland. Ein Zustand der sich dringend Ă€ndern muss!

Karin Steinherr ist selbst Betroffene von sexuellem Missbrauch und will ihre Erfahrungen nutzen um anderen Menschen zu helfen. Die 4-fache Mutter hat sich nach vielen Jahren der Verschlossenheit nach außen geöffnet und zunĂ€chst eine Selbsthilfegruppe in Neuburg gegrĂŒndet. Vor kurzem kam mit der GrĂŒndung des Vereins „Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch e. V.“ der nĂ€chste Schritt, durch den sich Karin Steinherr höhere Transparenz und AufklĂ€rung sowie umfassende Beratungsmöglichkeiten und Hilfe fĂŒr Menschen mit Ă€hnlichen schlimmen Erfahrungen erhofft. Wir haben  uns mit der engagierten und starken Neuburgerin unterhalten und stellen Euch den Verein vor.

Hallo Karin, Du hast den Verein „Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch e.V.“ erst vor wenigen Wochen gegrĂŒndet, was versprichst Du Dir davon, welche Ziele verfolgst Du mit dem Verein?

Karin Steinherr: „Ich möchte mit dem Thema sexueller Missbrauch/sexuelle BelĂ€stigung offen umgehen. Das Thema ist in unserer Gesellschaft immer noch weitgehend tabu. Indem ich selbst offen mit meiner Geschichte umgehe, hoffe ich damit die Menschen erreichen zu können und sie dazu bewegen zu können genauer hinzusehen und zu helfen. Ich will Betroffenen Mut machen sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ziel des Vereins ist auch durch Öffentlichkeitsarbeit, vor allem durch VortrĂ€ge an Schulen, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren.“

Das klingt nach viel ehrenamtlicher Arbeit, alleine ist das doch kaum zu schaffen, wer unterstĂŒtzt Dich?

Karin Steinherr: „UnterstĂŒtzt werde ich vor allem von meiner Familie, besonders von meinem Mann, der immer hinter mir steht und mir den RĂŒcken freihĂ€lt, wenn Termine anstehen. Außerdem werde ich noch von meinen Freundinnen Katrin Olschewski, die mir schon wĂ€hrend meiner Therapie sehr geholfen hat, und von Kerstin Humbold, die immer einspringt wenn Not an der „Frau“ ist, unterstĂŒtzt. Letztendlich auch von meinem besten Freund und dem 2. Vorstand des Vereins Frank-Dietmar Böhm. Frank hat immer ein offenes Ohr fĂŒr meine Sorgen und motiviert mich stĂ€ndig um weiter zu kĂ€mpfen. Außerdem begleitet er mich zu den VortrĂ€gen, sofern es seine Arbeit zulĂ€sst.“

Erschreckende Statistiken findet man auf der Homepage von „Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch e. V.“

 

Du hattest in den vergangenen Jahren bereits einige ĂŒberregionale Aufmerksamkeit, erzĂ€hl uns mehr davon.

Karin Steinherr: „Als ich letztes Jahr im Juni eine E-Mail von der Bauer-Media Verlagsgruppe bekommen habe, dachte ich zuerst an einen Scherz und hab sie erstmal an Frank weitergeleitet. Schließlich habe ich darauf geantwortet und mir wurde erklĂ€rt, dass es eine Aktion „Helden des Alltags“ gibt, und dass sie einen Bericht ĂŒber mein Engagement (ich habe 2015 eine Selbsthilfegruppe fĂŒr Missbrauchsopfer gegrĂŒndet) berichten möchte. FĂŒr das Interview kam die Redakteurin damals extra von Hamburg nach MĂŒnchen angereist und erst hier erfuhr ich mehr ĂŒber die Aktion. Ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, dass man diesem Thema „Gehör“ schenkt, aber ich wurde positiv ĂŒberrascht und bekam den Redaktionspreis und wurde zur „Heldengala“ nach Hamburg eingeladen. Ich war so nervös, und bei dem Interview mit Herrn Pilawa habe ich eigentlich nur funktioniert, erinnern kann ich mich da nicht wirklich daran. Aber es gab mir Kraft, weiter an der Sache dran zu bleiben und ich entschied mich, meinen Gedanken, VortrĂ€ge an Schulen zu halten, in die Tat umzusetzen. UnterstĂŒtzt von Kerstin und Sepp Egerer konnte ich meine ersten Erfahrungen im Jugendzentrum sammeln.“

2016 wurde Karin Steinherr fĂŒr ihr Engagement als „Heldin des Alltags“ ausgezeichnet

 

Warum ist es so wichtig, dass dieses Tabu-Thema „sexuelle“ Gewalt deutlich mehr an die Öffentlichkeit getragen wird?

Karin Steinherr: „Wer die Medien der letzten Monate und Jahre verfolgt hat, wird feststellen dass kaum ein Tag vergeht, an dem man nicht von sexuellen Übergriffen liest oder hört. Die Opfer schweigen oft, schĂ€men sich, obwohl sich eigentlich der TĂ€ter schĂ€men mĂŒsste. Viele Opfer wissen auch nicht welche Hilfsangebote und Beratungsstellen es gibt. Außerdem gehen viele Jugendlichen zu leichtfertig mit dem Internet um, oder treffen sich, ohne große Bedenken zu haben, mit Menschen die sie nur aus dem Chat kennen. Hier versuche ich die Jugendlichen in GesprĂ€chen und VortrĂ€gen zu sensibilisieren, ihr Verhalten zu ĂŒberdenken und gebe ihnen Tipps und RatschlĂ€ge im Umgang mit sozialen Medien.
Ein anderes Thema ist sexueller Kindesmissbrauch, hier kommen die TĂ€ter fast ĂŒberwiegend aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis, die TĂ€ter nutzen das Vertrauen der Kinder aus, hier kann ich versuchen betroffene Kinder und Jugendliche zu ermutigen sich jemandem anzuvertrauen.“

Die finanziellen AufwÀnde darf man bei einem solchen Projekt nicht unterschÀtzen, wie finanzierst Du den Verein eigentlich?

Karin Steinherr: „Im Moment ist es so dass ich meine Reisekosten, Website, Werbeartikel usw. selbst finanziere. Ein kleiner Betrag war das Preisgeld, das ich als „Heldin des Alltags“ letztes Jahr bekommen habe. Im Moment muss ich gestehen, das ich ein wenig unterschĂ€tzt habe, wie viel ich fĂŒr mein „Engagement“ investieren muss, aber ich bin ĂŒberzeugt davon, das jeder Cent gut angelegt ist. Mir selbst liegt sehr viel an diesem Thema und wenn ich nur einem Menschen helfen kann ist es die Sache wert. Und helfen konnte ich mit meinen GesprĂ€chen schon dem ein oder anderen, das macht mir Mut und gibt mir die Kraft.“

Kinder und Jugendliche sollen sensibilisiert werden, auch im Umgang mit sozialen Medien

 

Wie können Dich unsere Leser unterstĂŒtzen, welche Möglichkeiten gibt es?

Karin Steinherr: „UnterstĂŒtzen kann man den Verein mit Spenden, auch kleine BetrĂ€ge helfen weiter. Außerdem kann man auf der Website eine Tasse und einen Aufkleber erwerben und somit auch unterstĂŒtzen, zudem wird durch das Anbringen des Aufklebers der Verein bekannter. Wer möchte kann natĂŒrlich auch Mitglied werden, ich habe den Betrag hierfĂŒr mit 10 € Jahresbeitrag extra niedrig angesetzt um es vielen Menschen zu ermöglichen dem Verein beizutreten. Vielleicht ist auch jemand unter den Lesern, der Betroffen ist oder Erfahrung mit sexueller Gewalt gemacht hat und der sich vielleicht auch einbringen möchte. In dem Fall könnt ihr mich oder Frank einfach per Email ĂŒber die Website kontaktieren. Je mehr Menschen offen darĂŒber sprechen, desto besser. Oder es befinden sich Lehrer unter den Lesern die dieses Thema aufgreifen wollen und einen Vortrag von mir „buchen“ möchten,  auch in dem Fall bitte mich direkt per E-Mail kontaktieren.“

Was sind Deine wichtigsten geplanten AktivitÀten in den nÀchsten 12 Monaten?

Karin Steinherr: „Ein großer Vortrag findet Anfang November an einer Schule in WolfenbĂŒttel statt. Hier hat sich zudem die Polizei von Langenhagen angemeldet, die an meiner Arbeit interessiert sind und vielleicht in Zukunft mit mir zusammen arbeiten möchten. Ich möchte so viele Schule wie möglich anschreiben, bzw. die im Umkreis persönlich aufsuchen um noch mehr Kinder und Jugendliche zu erreichen.“

Vielen Dank fĂŒr das interessante und offene Interview, wir wĂŒnschen Dir und dem Verein alles Gute fĂŒr die Zukunft!

NĂ€here Informationen zum Verein „Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch e. V.“ erfahrt ihr auf der Homepage http://verein-gegen-missbrauch.de.

Bei Fragen jeglicher Art kann Karin auch gerne direkt per E-Mail (karin@verein-gegen-missbrauch.de) oder per Telefon/WhatsApp (0176-72753122) kontaktiert werden. Auch ĂŒber Facebook ist der Verein aktiv und freut sich ĂŒber viele Leser und Likes: https://www.facebook.com/gemeinsamgegenmissbrauch

Spenden könnt ihr per PayPal ĂŒber das Formular auf der Homepage (http://verein-gegen-missbrauch.de/#spenden) oder direkt ĂŒber folgendes Bankkonto:

Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch e.V.
IBAN: DE40 7216 9764 0000 1164 16
BIC: GENODEF1WRI
Bank: Raiffeisenbank Donaumooser Land

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